02.07.2011

FEUERWERK Hoya 2011 – ABC-Zug und THW üben erfolgreich

„Katastrophenalarm! Zahlreiche Schadensereignisse haben das Bundesland Niedersachen schwer getroffen. Seit Tagen sind alle Katastrophenschutzeinheiten im Einsatz. Ein Ende der Lage ist nicht erkennbar."

Das Bundesland Niedersachsen bittet deshalb die benachbarten Bundesländer um Unterstützungseinheiten. Besonders die Fähigkeit der ABC-Abwehr ist gefordert. Aufgrund des Hilfeersuchens entsendet das Bundesland Schleswig-Holstein ein gemischtes Hilfeleistungskontingent aus Feuerwehr und THW. Die Einheiten sollen sich selber versorgen können und führen neben Logistikeinheiten auch eine Sanitätseinheit des DRK und des KBA e.V. mit." So lautete die Lagemeldung bei Alarmierung von Feuerwehr, THW und Sanitätsdienst.
Gott sei Dank - Es ist nur eine Übung!

Im Sinne der Initiative FeuerWerk plante ein Team des THW-Norderstedt und des ABC-Zug des Kreisfeuerwehrverbandes Segeberg eine gemeinsame Großübung auf dem Übungsgelände der THW-Bundesschule Hoya. 
Neben der Fachausbildung lag ein besonderer Planungsschwerpunkt darauf, möglichst viele Schnittstellen und Gemeinsamkeiten zu finden, sowie die kameradschaftliche Verbindung zu stärken.

Nach fast zwölf Monaten Planungszeit hatte die Übung einen sehr beachtlichen Rahmen angenommen: 140 Teilnehmer mit 36 Einsatzfahrzeuge an fünf Übungsszenarien bildeten den Rahmen der Übung vom 01.07.2011 bis 03.07.2011. Neben den Einheiten des THW-Norderstedt und des ABC-Zug Segeberg, nahmen an der Übung der DRK Kreisverband Segeberg und der KBA Krankentransport, Behinderten- und Altenhilfe e.V. mit ihren Sanitätsgruppen teil. Als weitere THW-Einheiten wurde die Fachgruppe Führung und Kommunikation des THW-OV- Neumünster, der THW-OV-Burg-Hochdonn, der THW-OV-Rotenburg, der THW-OV Bremen-Süd und der ABC-Zug Nienburg in die Übung eingebunden. Für die Verpflegung sorgten hervorragend die Kameraden der Fachgruppe Logisti-Verpflegung (Log-V)  vom THW-OV-Lüneburg. Unterstützend wirkten Helfer der Ortsverbände, THW-OV-Pinneberg, THW-OV-Tönning und THW-OV-Ludwigslust mit. Begleitet wurde die Übung von einer Delegation der Polnischen Feuerwehrleitung, sowie dem THW-Landesverband HH, MV, SH, den THW-Geschäftsstellen Itzehoe und Verden, der Bundesschule Hoya und des Kreisfeuerwehrverbandes Nienburg und von dem Kreiswehrführer des Kreisfeuerwehrverbandes Segeberg .

Als Rahmprogramm gab es eine Führung durch das MBZ (Mobiles Bekämpfungszentrum gegen Tierseuchen) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Das Fazit: 

Als Fazit sind sich alle einig: Es war eine außergewöhnliche Übung. Die Kameraden aller Fachdienste konnten ihr Wissen aufeinander abstimmen und voneinander lernen. Die kameradschaftliche Verbindung wurde stark gefördert. Aus der Übung kommen alle Teilnehmer als ein Team. Die Idee der Initiative FeuerWerk wurde voll gelebt und hat sich auch auf den Sanitätsdienst übertragen.  

Der Übungsbericht 

01.07.2011: Zu Übungsbeginn trafen sich die Einheiten des THW, DRK, KBA und des ABC-Zuges Segeberg im Ortsverband Norderstedt. Von dort ging es im Verband über die BAB7 durch den Elbtunnel zur BAB1. Auf dem Parkplatz Rosengarten wurde der Verband in mehrere kleine Verbände geteilt, um den Verkehrsfluss während der Ferienzeit zu entlasten. Jede Teileinheit bekam Fahraufträge für verschiedene Strecken nach Rotenburg.

Um den Bereich Rotenburg richtete der THW-OV-Rotenburg Lotsenstellen ein und lotsten die ankommenden Einheiten zum Sammelpunkt. Nach einer kleinen Pause nahmen fast alle Fahrzeuge die Fahrt nach Hoya wieder auf und erreichten ihr Ziel kurz vor Mitternacht. Leider blieben aufgrund einer Vollsperrung der BAB1 vier Fahrzeuge im Stau stecken und konnten erst nach zermürbenden fünf Stunden weiterfahren.  

Auf dem Gelände des Wasserübungsplatzes Barme baute seit Freitagmorgen ein 12köpfiges Vorauskommando  einen Bereitstellungsraum für 150 Personen auf. Pünktlich zur Ankunft war das Camp mit 20 Zelten betriebsbereit. Alle eintreffenden Helfer konnten deshalb sofort ihre Zelte beziehen und die Feldbetten für die Nacht herrichten.

Aus Solidarität gegenüber den im Stau verlorenen Helfern, blieben viele Kameraden noch bis zu deren Eintreffen um 04:30 Uhr wach. Mit Grillwurst und Gesang verging die lange Wartezeit wie Fluge.  

02.07.2011: Früh am nächsten Morgen startete die Übung. Die Einheiten wurden auf das Übungsgelände der THW-Bundesschule Hoya verlegt. Dort erwartete sie ein Schreckbild an fünf realistische Schadenslagen. Der DRK-RUD-Trupp (Realistische Unfalldarstellung) und das Jugendrotkreuz hatten zahlreiche Lagedarsteller auf der Übungsanlage verteilt. Professionell wurden ihnen verschiedene Verletzungen angeschminkt.

Die fünf Übungsszenarien basieren auf ein Bahnunglück, bei dem ein Kesselwagen aus dem Gleisbett gesprungen war und ein weiterer  umgekippt neben dem Bahndamm lag. Weiter an dem Gleis entlang lag ein umgekippter Personenwagen in dem sich noch 15 vermisste Personen befanden. Hinter dem Personenwagen stand etwas abseits ein Güterwagon mit unbekannten Gefahrstofffässern. Zusätzlich befand sich im rückwärtigen Bereich eine völlig zerstörte Verladeanlage. 

Nach kurzer Erkundung beschloss der Feuerwehreinsatzleiter Christoph Bock die sofortige Rettung der Personen. Hier arbeiten alle Organisationen gemeinsame an der Bewältigung der Lage. Die Sanitätseinheiten richteten Sammelstellen ein, während Feuerwehr und THW die Rettung der Personen durchführten. Weiter wurden die Kräfte des THW mit der Aufgaben betraut den Kesselwagen aufzugleisen und den umgekippten Kesselwagon aufzurichten. Ein weiterer Trupp analysierte die Gefahrstofffässer am Güterwagen und bereitet den Abtransport vor.

Gegen 12 Uhr kamen die Helfer wieder zu Kräften dank der Logistiker des THW Lüneburg. Sie zauberten in der Gulaschkanone ein vorzügliches Hühnerfrikassee. 

Der weitere Verlauf der Übung sah einen radioaktiven Gefahrstoffeinsatz vor. In einer zerstörten Verladeanlage befanden sich Packstücke mit radioaktivem Inhalt eines medizinischen Betriebes. Aufgabe der Einsatzkräfte war die umgehende Bergung der Packstücke und die Rettung der sich im Gebäude befindlichen Personen. Die eingesetzten Trupps erkundeten den Bereich und brachten die teilweise verletzten und verwirrten Lagedarsteller zur Gefahrengrenze. Hier wurden sie auf Verstrahlung überprüft und der Personen-Dekontamination übergeben.

Bei allen Lagen dieser Übung bewährten sich die gemischten Atemschutztrupps von Feuerwehr und THW. So kamen auch unter Vollschutzanzügen die Vorteile einer Zusammenarbeit zum Tragen. 

Parallel lief das letzte Übungsszenarium an: Eine Schiffshavarie mit Gefahrgut auf der Weser. Der ABC-Zug wurde zur 10 Kilometer entfernten Einsatzstelle im Hafen Barme verlegt. Dort schwammen zahlreiche Fässer mit Gefahrenstoffzeichen im Hafenbecken. Damit die Spezialkräfte in Schutzanzügen weiter vorgehen konnten, stellte die Fachgruppe Wassergefahren des THW-OV-Bremen-Süd ein Mehrzweckboot zur Verfügung. Nachdem alle Fässer geborgen an Land waren, wurde die Oberfläche der Weser noch einmal gründliche abgesucht. Durch eine Welle kam das Boot ins Wanken und die Gefahrgutspezialisten gingen mit ihren Schutzanzüge über Board. Sofort eilte ein Sicherungstrupp zur Rettung. Unter großer Freude schloss der Gruppenführer seine „Männer“ wieder in die Arme. Gott sei Dank – alles nur eine Übung. Aber auch solche Situationen müssen trainiert werden. 

Gegen 17:00 Uhr waren alle Gerätschaften wieder auf die Fahrzeuge verlastet und es ging zurück ins Camp. Dort konnten sich die Helfer etwas erholen. Interessierte hatten die Möglichkeit an einer Führung durch das MBZ (Mobiles Bekämpfungszentrum) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit teilzunehmen. Diese Containeranlage dient der zentralen Koordination von Abwehrmaßnahmen bei großen Tierseuchen und kann bundesweit eingesetzt werden. 

Anschließend ging es zum großen Kameradschaftsabend in den „Treffpunkt“ der THW-Bundesschule. Alle Teilnehmer feierten gemeinsam mit den polnischen Gästen den erfolgreichen Verlauf der Übung. Bis spät in die Nacht ließen alle den Tag noch einmal Revue passieren und vertieften die Kameradschaft. 

03.07.2011: Der Sonntag begann nach dem Frühstück mit einer großen Nachbesprechung. Bei der Manöverkritik lobten die Übungsleiter Eddy Dieckvoss, Arne Hentschel und Marc Pries den besonders guten Ablauf und das reibungslose Zusammenwirken aller Einsatzkräfte, sowie die hohe Motivation aller ehrenamtlichen Helfer. Nach dem Campabbau und Aufräumen begaben sich die Einheiten im großen Konvoi zurück nach Norderstedt und Bad Segeberg.  

Unsere gewonnene Philosophie der Gemeinsamkeit 

Trotz unterschiedlicher Aufgaben, Farben und Grundlagen bilden wir eine Einheit. Unser Ziel ist die Erkenntnis gemeinsam stärker zur sein, als einer alleine. Im Team wollen wir uns für das Wohl der Bürger und Bürgerinnen einbringen und in ihrer Not Schulter an Schulter, im Vertrauen auf unsere Kameradschaft, helfen und ihr Leiden lindern. Die Kameradschaft verbindet uns. Der humanitäre Gedanke ist unsere Quelle hierfür. Stärken und Schwächen des einzelnen, egal in welcher Uniform, wollen wir anerkennen und respektieren, davon lernen und darauf Rücksicht nehmen. Jeder für jeden, alle für unsere Idee.  

 

Zahlreiche Blogs zur Übung finden Sie auch bei Facebook.


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